Laugavegur Trek – Island Tagebuch

Über den Laugavegur Trek durch Landmannalaugar – Hier lest Ihr alles was ich in einer Woche im Landmannalaugar erlebt habe.

Laugavegur Trek Etappe 1

Meine Freude konnte ich heute nicht verstecken, als wir in Reykjavik gelandet sind.Eine Nacht haben wir uns im Hostel gegönnt, bis dann um 6:45Uhr der Excursions Bus nach Landmannalaugar kam… 5 Stunden Fahrt haben wir vor uns. Mein Grinsen wurde von Stunde zu Stunde immer größer… Die Berge immer höher & mein Staunen geht bis ins unendliche…Da waren wir endlich… Landmannalaugar! Mein Traum wird wahr… Oh Gott… Die Hände immer schwitziger.Kann mich bitte jemand mal zwicken??? Der 16kg Rucksack war schneller an, als Sascha gucken konnte. Jetzt geht es los! Von Landmannalaugar nach Hrafntinnusker. 5 Stunden, 10km (Luftlinie)610hm⬆175⬇Hört sich ja super easy an…Ist aber durch die Wetterverhältnisse bei etwa 4 Grad, den Schneefeldern, Aschewüsten und eisigen Winde nicht zu vergleichen mit Bergen hier bei uns… 1000hm fühlen sich schnell einmal an wie 3000hm bei uns… Wir laufen entlang der Lavafelder, heißen Quellen, fauchende Dampfquellen & über Schneefelder… Das gewöhnungsbedürftige ist definitiv der Schwefelgeruch nach faulen Eiern. Aber wenns sonst nichts ist oder???Gut auch an das Gewicht des Rucksacks muss ich mich definitiv noch in den nächsten Tagen gewöhnen… Da endlich, von der Passhöhe (1070m) haben wir unsere erste FÍ-Hütte von Hrafntinnusker entdeckt. Zack schnell unseren Platz zum Zelten rausgesucht & das Zelt vor dem Wind mit Steinen geschützt…Puh 40€ kosten die Stellplätze… 40€ nur das wir unser Zelt hier aufstellen, mitten im nirgendwo… WahnsinnIsland.Schnell noch den Kocher aufgebaut, 2 Minuten Reis gekocht, 1 Riegel vernascht, Zähne geputzt & hundemüde, dick eingemummelt in den Schlafsack gefallen… Denn morgen wird es ja nicht weniger anstrengend…

  

Laugavegur Trek Etappe 2

Hrafntinnusker-Álftavatn-Hvanngil 15km (Luftlinie) 85m⬆️ 580m⬇️ Für mich ist es wie “in einem Land vor unserer Zeit”. Zur Zeit der Dinosaurier. So stelle ich mir es auf jeden Fall vor… Weiten über Weiten… An endlosen Schneefeldern vorbei… Unser erster Bach den wir durchwaten müssen. Super kalte Angelegenheit sag ich euch… Wanderschuhe & Socken aus, Hose hochkrempeln, Sandalen an…Augen zu und durch… Hardcore!! Bis wir endlich diesen Ausblick haben… BÄM! Wir sind geflasht! Von dieser Plateaukante können wir das ganze Gebiet überschauen… Eine Reihe markanter Palagonitkegel & ganz hinten am See, sehen wir die FÍ Hütte Álftavatn, auf deutsch Schwanensee. Also weiter in diesem wunderschönen Teil… Bei der Hütte angekommen machen wir eine kurze Pause… Ein Bierchen lassen wir uns nicht nehmen & ein frisch gebackenes veganes Bananenbrot. Göttlich!!! Aber der Preis ist es auch: 30€ für den schnellen Snack zwischendurch. Hui. So sind eben die Preise mitten im nirgendwo… Muss ja auch irgendwie dorthin kommen. Wasser noch schnell auffüllen, Rucksäcke wieder auf die Rücken gepackt & weiter gehts… Nochmal die Zähne zusammenbeißen bei den letzten Kilometern bei Regen und Hagel & dann haben wir es geschafft… Schnell noch einen Zeltplatz gesucht… Diesen wieder an der FÍ Hütte bezahlt… Und eine etwas schlechtere Information von der Einheimischen Dame an der Information bekommen… “Übermorgen sollen es orkanartige Stürme geben…Macht am besten Etappe 3 & 4 morgen an einem Tag (30km Luftlinie), damit ihr dann in Thorsmörk in Sicherheit seid…

Laugavegur Trek Etappe 3 & 4

Halt… Da war doch was: Etappe 3️ & 4️ an Tag 3

Denn es sind ja orkanartige Winde der Stufe 16 morgen gemeldet. Und selbst mein Wanderführer warnt besonders davor… Denn es gibt genügend, die gerettet werden müssen, da man so schnell die Orientierung verliert & es höllisch sein kann, wenn dir die Asche und der Schnee ins Gesicht klatscht… F*** da müssen wir jetzt durch Sascha… 30km (Luftlinie) laut meinem Tracker 38km 555hm⬆️ 875hm⬇️ Die 3. Etappe läuft super. Es geht viel geradeaus durch die schwarze Sandwüste… Klar im Sand zu laufen ist nicht so easy, aber machbar! Und nicht um sonst wird sie Hexenküche genannt… Da das Wetter sich so schlagartig verändern kann, dass aus dem Nichts auftauchende Windböen riesige Sandwolken aufwirbeln… Dann kommt aber erst unser Entgegner…Die Furt durch den knietiefen & sehr schnell strömenden Gletscherfluss Bláfjallakvísl. OH MEIN GOTT!!! Noch nie zuvor habe ich so eine Kälte gespürt, dass ich nach dem ersten Schritt meinen Fuß, geschweige denn Bein nicht mehr gespürt habe….

“…Sch***** kalt!!! Mehr kommt nicht aus meinem Mund!…”

…Schnell abgetrocknet, Wanderschuhe wieder angezogen, aber Füße & Beine haben wir erst wieder nach mehreren gelaufenen Kilometern gespürt… Dann haben wir diese Etappe endlich geschafft nach Emstrur…. Aber für uns erst die Hälfte der Strecke…Nach einer kleinen Nudelstärkung geht es weiter nach Þórsmörk. Rauf und runter… Nicht mehr ganz so munter… Die Füße schmerzen… Sie fühlen sich langsam taub an & haben mittlerweile überall Druckstellen, durch unser Gepäck…Der Weg fühlt sich endlos an… Wir sehen das erste Mal eine Infotafel, die auf die Risiken im Falle eines Ausbruchs des nahen Gletschervulkans hinweist. Okay… Was muss das muss… Weiter geht es in den Canyon hinunter.Die Landschaft wird immer grüner & grüner und so zauberhaft… Wie in einem Märchenwald!! Mal wieder darf ein reißender Gletscherfluss durchwatet werden… Der letzte für diesen Tag… Hinter der Furt laufen wir durch wundervolle Birkenwälder. So schön den ganzen Blumen, summenden Insekten & das Plätschern der Wälder zu lauschen!! Yes GESCHAFFT!!

“…Wie sollen denn ohne Föhn & bei der Kälte die Haare überhaupt trocknen… Die Blasenentzündung ist auf jeden Fall vorprogrammiert.Toll gemacht Angie…”

Nach 12 Stunden wandern im Camp endlich angekommen… Nur noch den Rucksack fallen gelassen, Schuhe ausgezogen, ein sicheres Plätzchen, umgeben von Büschen, gesucht… Da der große Sturm morgen angesagt ist & ins Zelt gefallen… fertig! Das wars… Mehr habe ich nicht mehr mitbekommen.

Am nächsten Tag mussten wir einen Tag pausieren, wegen des Sturms. Was soll ich sagen… Das haben wir wörtlich genommen…Nur zum Zähne putzen und für unsere allererste Dusche in 4 Tagen raus bewegt. Überhaupt keine gute Idee… Wie sollen denn ohne Föhn & bei der Kälte die Haare überhaupt trocknen… Die Blasenentzündung ist auf jeden Fall vorprogrammiert.Toll gemacht Angie… Gut das heute auch noch diese extremen Winde gehen… Zum Glück sind wir immer noch so fertig, dass wir super schnell schlafen & nichts mehr mitbekommen.

Fimmvörðuháls Trek Etappe 5 & 6

25km Luftlinie 1000hm⬆️ 1000hm⬇️ Definitiv die schwerste Etappe, die uns mit dem Gepäck (zum Glück mit nur noch wenig Essen dabei) an unsere Grenzen bringen… Die Wege hoch sind nicht vergleichbar wie unsere Wege… Das ist schon eher kraxeln & Bergalpin steigen in einem… Wir sind ja so froh unsere Bergschuhe zu tragen & nicht so lockere Dinger. Hallelujah! Also 10km geht es hoch… Das sind wohl die anstrengensten 1000 Höhenmeter die ich je gemacht habe… Dann 6km geradeaus über Lavafelder & Schneefelder… An den Kratern Magni & Móði vorbei… Diese habe ich mir ehrlich gesagt riesig vorgestellt… Dabei sind es nur 2 kleine Löcher, die so einen enormen Schaden angerichtet haben. Es fängt an zu hageln & zu schneien… Schnell weg hier… Nicht das wir hier noch in einen Sturm geraten.An der Hütte angekommen nach 7 Stunden gibt es nur eine schnelle Brotpause… Wir haben ja noch 12km vor uns abwärts & es ist eigentlich schon viel zu spät… Aber um jeden Preis wollen wir noch vor Sonnenuntergang in der Zivilisation am Skógarfoss ankommen…

Fimmvörðuháls Trek Etappe 6

Nach unserer schnellen Brotpause & schon super müden Füßen, möchten wir am liebsten an der Hütte die Nacht verbringen. Aber der Wunsch mal etwas Richtiges zu Essen siegt… Also geht es weiter… Rucksack wieder anschnallen & die letzten 15km Zähne zusammen beißen… Wie schön es jetzt auch noch schüttetund der Wind bläst uns um die Ohren. Bis wir endlich die ersten Wasserfälle hören… Mittlerweile ist auch schon alles saftig grün um uns herum! Wunderschön!! Und da lässt sich doch auf einmal auch noch die Sonne blicken.Ihr wisst was an Wasserfällen passiert, wenn es geregnet hat und die Sonne anfängt zu scheinen… Überall kleine Regenbogen. Wie im Bilderbuch!!! Wir können unser Glück kaum fassen… Kann dieser Wochentrip denn noch schöner enden? NEIN DEFINITIV NICHT!!! Die letzten Kilometer laufen sich so auch viel leichter… So traumhaft schön!! WOW!!! Bestimmt 10 Wasserfälle auf dem Weg zum Skógafoss. Und da… Wir können es nicht glauben! Die Zivilisation! Häuser, Menschen und auf einmal auch jede Menge Touristen am Skógafoss. Wuhuuuu göttlich! Wir haben es geschafft!!! Nach 1 Woche wandern sind wir wieder an der Ringstraße angekommen… Super happy fallen wir nur noch in unsere Arme!! Dieses Gefühl ist unbeschreiblich… Achja und dann der nächste Gedanke: ESSEN.Was richtiges Essen… Wir laufen zum erst besten Restaurant und lassen es uns so richtig gut gehen… Pommes, Burger ( für mich natürlich vegan), Salat & für jeden ein großes Bier. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann das letzte Mal etwas soooo unglaublich gut geschmeckt hat… Vorallem zu diesem Preis von 80€.

Ja das ist Island! Was eine Reise! Was ein Abenteuer!!

Definitiv unvergesslich und die inspierierneste Reise die ich je hatte.

4 Kommentare bei „Laugavegur Trek – Island Tagebuch“

  1. So wunderschön!
    Seid ihr überhaupt irgendwelchen Menschen begegnet? Das wirkt alles so unendlich weit und ‘einsam’ (auf eine positive Art und Weise)!

  2. Das hast du ganz toll geschrieben, ich kann mich voll reinversetzen.
    Ein paar Fragen habe ich noch. Sind die Wege immer gut ausgeschildert und klar erkennbar? Begegnet man vielen Wanderern?
    Welchen Tracker hast du benutzt, der den weg aufzeichnet?
    wo hast du die Toute gefunden Bzw wie festgelegt?
    Oh Mann ich habe richtig Bock genau das auch zu machen!!
    Liebe Grüße Susl

  3. Wow das klingt so fantastisch ! Könntest du ein paar Infos über die Planung des ganzen geben? Anreise, aber auch wegen den Übernachtungen? Ich suche schon ganz lange nach einer Wanderung die ich allein machen kann , die auch im Frühjahr begehbar ist – Eignet sich die Route dafür ?
    Liebe Grüße

    und danke für den tollen Beitrag ! Würde mich freuen falls du ein paar Infos für mich bezüglich dieser Route und der Planung hast !

    Jule

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