Sörmlandsleden – Durch Schwedens Wildnis

Oh Sörmlandsleden

Ich muss schmunzeln, wenn ich an diese Zeit denke. Eine Woche in Schwedens Wildnis. Eine Woche allein. Nur meine liebe Freundin Sabi und ich. Keine Zivilisation. Es wird mir schon allein beim Gedanken an diese Zeit ganz wohlig. Denn das ist es, was Weitwanderungen mit mir machen.

Es ist schwer zu beschreiben. Aber kurz gesagt, bedeutet Weitwandern ein Durchatmen für mich. Ankommen und durchatmen. All der Stress und die Hektik der letzten Arbeitswochen sind wie weggeblasen. Denn in dieser Zeit erkennt man die wahren Bedürfnisse im Leben. Das, was wirklich wichtig ist. Das Leben im HIER und JETZT. Hört sich vielleicht etwas schnulzig an. Aber genau das ist es, was diese Form des Wanderns für mich so besonders macht. Was in dieser Zeit zählt, sind die kleinen Freuden, die Vögel, die dir am frühen Morgen ein gigantisches Konzert liefern, die Bienen, die fröhlich in den Blumen summen und die Sonne, die dir auf die Haut strahlt, vielleicht aber auch der Regen, wenn du ihn zu ersten Mal auf deiner Zunge schmeckst. Du nimmst all das bewusst wahr.

Das Einzige, um das du dich in dieser Zeit kümmerst, ist dein Frühstück, der Weg, den du beschreitest, genügend zu trinken, dein Abendessen und wo du dein Zelt aufschlägst. Es gilt einzig und allein, die Grundbedürfnisse zu stillen. In dieser Zeit lernst du dich nochmal ganz neu kennen.

Aber bevor ich hier noch weiter philosophiere und mich in all den Gefühlen verliere, möchte ich dir von unserem Abenteuer Sörmlandsleden erzählen. Fangen wir am besten ganz von vorne an.

Der Sörmlandsleden

Der Sörmlandsleden ist Schwedens erster Tieflandwanderweg. Die Hauptstrecke zieht sich über 627 Kilometer und ist damit einer der längsten Wanderwege Schwedens. Er ist in 62 Etappen unterteilt, von denen jede zwischen 10 und 15 Kilometer lang ist. Höhenmeter werden auf der gesamten Strecke nur 2.964 hinauf und 2.914 hinunter zurückgelegt. Ein sehr flacher Weg, der nur so vor wunderschöner Aussicht und Naturmomenten strotzt.

Eine genaue Etappenzahl haben wir für die Woche nicht geplant. Wir wollen einfach schauen, wie weit uns unsere Füße tragen. Der Weg ist hier schließlich das Ziel. Björghagen – wir sind an dem Startpunkt unserer Weitwanderung angekommen, wie Sabi das auf ihrem Instagram-Account @berosa_gogreen immer so schön sagt.

Der Weg ist das Ziel.

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ETAPPE 1: BJÖRKHAGEN – SKOGSHYDDAN HÜTTE 8,5 KM

Wir fühlen uns auf einmal ganz munter und hibbelig. Hier beginnt also unser kleines, feines Abenteuer mitten in Schwedens Wildnis. Die ersten Kilometer führen an einem Wohngebiet entlang, nach etwa 2 Stunden wird es immer ruhiger um uns, Natur pur. Wir kommen am ersten See an, eine Entenfamilie schwimmt darin. Der Wind weht durch unsere Haare und es fühlt sich von diesem Moment an nach Ankommen an. Weiter geht es durch Märchenwälder. Das Gras, der Farn, die Bäume strahlen im allerschönsten Giftgrün und überall wächst Moos. Wir spüren all das um uns herum ganz bewusst. Einfach herrlich. Genau hier beginnt das Gefühl, geerdet zu sein. Schweden hat uns voll in seinen Bann gezogen. Mitten auf dem Weg sehen wir neben uns zwei Rehböcke kämpfen. Sie bemerken uns nicht. Was für ein Naturschauspiel. Einer der Rehböcke rennt plötzlich in unsere Richtung und verpasst Sabi haarscharf. Das hätte böse ausgehen können. Wir erholen uns kurz von diesem Schock und laufen immer weiter, werden langsam aber sicher müde. Die lange Anreise macht sich bemerkbar, aber das Etappenende ist noch nicht in Sicht. Es sollte doch schon längst gewesen sein. Wir schauen auf unseren Wanderführer und merken, dass wir zu weit gelaufen sind und die erste Etappe schon hinter uns gelassen haben. Also packen wir am nächsten See unser Zelt aus, pusten die Isomatten auf und schmeißen uns in unsere Schlafsachen. Wir kochen Wasser mit unserem kleinen Wanderkocher, damit wir unsere gefriergetrocknete, vegane Pasta genießen können und beobachten dabei diesen unvergesslichen Sonnenuntergang, bevor wir uns in unserer Räuberhöhle (aka Zelt) einkuscheln.

ETAPPE 2: SKOGSHYDDAN – ALBY FRILUFTSGÅRD 6,5 KM

Wir beginnen den Tag mit einem Kaffee und genießen die Sonnenstrahlen auf unserer Haut. Jetzt heißt es, Zelt und Rucksäcke zusammenzupacken, was sich anfangs noch als etwas langwierig herausstellt. Wir müssen lachen, als wir auf unsere Uhr schauen und merken, wie spät es schon ist: Um 11:30 Uhr kommen wir endlich von unserem Platz los. Die Natur ist heute unglaublich vielfältig. Wir laufen über Felsen, durch weitere Märchenwälder, an Seen entlang und kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Von solchen Landschaften haben wir geträumt. Wir machen uns auf die Suche nach der ersten Källa, einer Wasserquelle. Es gibt an jeder Etappe genau eine, deshalb ist es wichtig, diese nicht zu verpassen. Die Quelle ist ein Brunnen, der aber nicht ganz so sauber aussieht, wie wir es von den Bergen in Deutschland und Österreich gewöhnt sind. Aber dafür haben wir ja unsere Wasserfilter. Das Wasser schmeckt erstaunlich erfrischend. Nach 13,2 Kilometern haben wir es zum Shelter, also zum Etappenende, geschafft. Der Schlafplatz ist großartig, mit einem einfachen Unterstand mit Feuerstelle. Unser Zelt passt perfekt hinein, somit sind wir vollkommen windgeschützt für die Nacht. Nach einer Stunde geben wir unsere Versuche, Feuer zu machen, auf, machen uns einen heißen Tee, es gibt Abendessen und wir verkrümeln uns ins Zelt zum Schlafen 

ETAPPE 3: ALBY FRILUFTSGÅRD - TYRESTA BY 13,5 KM

Der Morgen startet ganz entspannt mit purem Luxus auf dem Plumpsklo. Danach stärken wir uns mit Haferflocken, heißem Wasser, Nüssen und Kaffee für die anstehenden 15 Kilometer und unseren 16 Kilogramm schweren Rucksack. Es ist Anfang Mai zwar noch kalt, aber die Sonne macht die Weitwanderung definitiv angenehmer. Wir balancieren auf Holzstegen über Feuchtgebiete und wandern durch viel Sumpflandschaft zur nächsten Wasserstelle. Im Sommer ist das sicherlich nicht ganz so leicht, da man doch sehr viel mehr Wasser braucht und mitschleppen muss. Der Weg zieht sich heute, die Füße glühen und der schwere Rucksack wird langsam unbequem auf den Schultern. Die Motivation kommt beim letzten Schild zurück. Nur noch 0,6 Kilometer bis zum nächsten Shelter. Wir können unseren Augen kaum trauen, als wir ankommen: eine kleine Hütte in Paradiset. So nennt sich diese Traumgegend. Mehrere Feuerstellen mit Feuerholz, zwei Plumpsklos und ein wunderschöner, riesiger See. Herrlich. Zeit für eine Stärkung, bevor wir hundemüde ins Bett fallen. Heute ohne Zelt, dafür in der zuckersüßen kleinen Hütte.

PAUSENTAG

Am frühen Morgen werden wir vom Vogelgezwitscher geweckt. Heute ist die Sonne besonders stark. Dieser Platz ist wie gemalt und unsere Füße müde. Wir beschließen, einen Tag Pause einzulegen und machen nicht viel, außer seelenruhig auf unseren Isomatten, direkt neben dem See auf den Felsen, zu liegen und Kraft zu tanken. Okay, natürlich gab es auch einen Sprung in den eiskalten See. Adrenalin pur. Genau so habe ich mir unser kleines, feines Abenteuer vorgestellt.

ETAPPE 4: TYRESTA BY - HANDEN (RUDANS GÅRD) 10 KM

Regen prasselt auf die Hütte. Also heißt es: erst einmal Regenkleidung anziehen und die weitere Route besprechen. Wir machen uns zuerst auf die Suche nach Quellwasser, da wir uns die letzten zwei Tage mit dem Seewasser begnügt haben, was alles andere als optimal war. Ich frag mich, wie sehr man sich eigentlich über glasklares Wasser freuen kann. Es sind aber genau diese kleinen Dinge auf einer Weitwanderung, die dich so viel lehren. Ja, Wasser ist kostbar, genauso wie Mahlzeiten, die den Hunger stillen. Wir können uns so glücklich schätzen, dass es uns so ausgesprochen gut geht. Wir laufen, laufen, laufen weiter, soweit uns unsere Füße tragen, an Sumpflandschaften entlang über Felsen, durch die Wälder.

Am Etappenende machen wir einen kurzen Halt, tragen uns in das Gästebuch ein, gehen aber weiter, da uns der Schlafplatz nicht so ganz zusagt. Nach weiteren 5 Kilometern kommen wir an einem Aussichtspunkt an. Das ist er, da bin ich mir ganz sicher. Der allerschönste Schlafplatz der ganzen großen, weiten Welt. Zudem werden wir mit dem Farbenspiel des Sonnenunter- gangs beschenkt. Wir sind voll im Hier und Jetzt angekommen. Tränen der puren Dankbarkeit kullern die Wangen herunter. Als die Sonne untergegangen ist, kuscheln wir uns bei 4 Grad Außentemperatur in unsere Schlafsäcke.

ETAPPE 5: HANDEN (RUDANS GÅRD) - PARADISET 11 KM

Nach dem Regentag gestern werden wir heute wieder von der Sonne wach geküsst. Wir packen unsere sieben Sachen zusammen, stärken uns mit jeweils einem Riegel und dann gehts auch schon los. Die letzte Etappe steht an. Eine Wanderung rund um den riesigen See. Unfassbar schön, die ganze Zeit auf das glitzernde Wasser schauen zu können. Jedoch zieht sich diese Etappe auch sehr. Über Wurzeln, über Holzbrücken, immer näher in Richtung Zivilisation. Dort ist auch der Shelter. Irgendwie ist es uns hier zu wuselig, um unser Zelt aufzuschlagen. Deshalb laufen wir noch ein Stück weiter, einen Hügel rauf und werden wieder einmal belohnt. Die Aussicht von diesem Felsplateau ist gigantisch. Wir saugen all die Natur noch einmal auf, lauschen dem Wind und genießen den letzten Abend unserer Wanderung.

ETAPPE 6: PARADISET - LIDA FRILUFTSGÅRD 6,5 KM

Guten Morgen, du wunderschöne Welt. Auch heute lässt uns die Sonne nicht im Stich. Wir kochen unseren letzten Kaffee. All unsere Vorräte sind aufgebraucht, wir sind eigentlich noch nicht bereit für das Ende dieses Abenteuers. Aber wie sagt man so schön: Hör auf, wenn es am schönsten ist. Das heißt ja nicht, dass das unsere letzte Weitwanderung war. Ganz im Gegenteil. Wir packen unser Zelt und unsere Rucksäcke zusammen und machen uns auf den Weg zur nächsten Bushaltestelle. Nicht mal 15 Minuten müssen wir auf den Bus warten. Und wie sollte es anders sein – wir besprechen auf der Fahrt nach Stockholm schon unser nächstes Abenteuer. Diese Woche werden wir niemals vergessen.

Du möchtest noch wissen, was wir für diese Weitwanderung alles dabei hatten? Dann schau doch gerne hier vorbei. Sörmlandsleden Packliste  

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